Scheibendolch und Ringen

Der Scheibendolch ist eine Stichwaffe des späten Mittelalters. Seinen Namen hat der Scheibendolch von den Scheiben, die den rotationssymmetrischen Griff an beiden Enden abschließen. Die genaue Klingengeometrie ist variabel, jedoch sind die Klingen hauptsächlich für Stiche und weniger für Schnitte optimiert. Zu einem großen Teil waren Scheibendolche – bedingt durch ihre Bestimmung als Waffe gegen plattengerüstete Gegner – so spezialisierte Stichwaffen, dass sie keine ausgeprägten Schneiden aufwiesen. Daraus und aus der vergleichsweise großen Klingenlänge der Scheibendolche ergeben sich einige Unterschiede zur Kampfweise mit oder gegen moderne Dolche. So sind schneidende Angriffe mit dem Scheibendolch die Ausnahme, wohingegen die Klinge im Eispickelgriff oft als Schutz des Unterarms dient und beim Ringen als Hebel oder zum Reißen. Da der Scheibendolch anders als andere Waffen wie das Schwert nicht bestimmten Ständen vorbehalten war, sondern von vielen Schichten der Bevölkerung getragen werden konnte, lassen sich mit generellen Aussagen über die Klingenform sicher nicht alle Varianten exakt beschreiben.

Die kurze Kampfdistanz in Kombination mit der hohen Geschwindigkeit beim Kampf mit dem Dolch lassen – sofern nicht einer der Kontrahenten technisch weit überlegen ist – oft keinen eindeutigen Sieger zu. Initiative, schnelle Reaktion und Entschlossenheit sind zwar bei allen Kampfkünsten von großer Bedeutung, beim Kampf mit dem Dolch jedoch sind sie entscheidend. Eine gelungene Abwehr mit dem Scheibendolch erfordert im weiteren Kampfverlauf oft den Einsatz von Techniken aus dem Ringen, das die Basis für viele der historischen europäischen Kampfkünste bildet. Zwar sind die Ringtechniken an sich selten letal, sie sind jedoch nach einer gelungenen Abwehr eines Dolchangriffs durch den Fechter oder dessen Gegner die einzige Möglichkeit, gegen einen kräftigeren oder ausgeruhteren Gegner zu bestehen.

Das Ringen ist eine eigenständige „Waffengattung“ der deutschen Schule und lässt sich als eigenständige Kampfkunst im unbewaffneten Kampf ebenso anwenden wie als Bestandteil des Fechtens beispielsweise mit dem Langschwert in der engen Mensur. Als Grundlage für andere Waffengattungen wurden der Scheibendolch und das Ringen von zahlreichen Fechtmeistern behandelt, darunter Andre Lignitzer, Martin Huntfelt, Hans Talhoffer und Joachim Meyer. Bei Tremonia interpretieren wir vor allem die Ausführungen aus dem Codex 44 A 8.

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